In einem Alter von zwei Jahren hat ein Kind bereits unglaublich viel gelernt. Es ist erst durch das Krabbeln, dann durch das Laufen mobil geworden, spricht immer besser und kann sich so seiner Umwelt schon recht gut mitteilen. Es hat eine Vorstellung davon bekommen, dass es ein Individuum ist. Im Alter von ungefähr zwei Jahren ist dann auch die Zeit gekommen, in der ein Kind quasi die logischen Konsequenzen aus seinen bisher erreichten Fähigkeiten und Erkenntnissen zieht: Es entwickelt einen eigenen Willen und möchte diesen auch behaupten. Da ein zweijähriges Kind aber natürlich noch nicht in der Lage ist, allein über sein Leben zu bestimmen, kommt zu diesem Zeitpunkt auch noch etwas anderes ins Spiel: der Trotz! Er entsteht als Gegenreaktion wenn seine Eltern oder andere Personen sich seinen Ideen, Wünschen und Vorstellungen entgegenstellen. Da das trotzige Verhalten zur Entwicklung eines Kindes gehört, irgendwann aber auch wieder spürbar zurückgeht, spricht man oft auch von einer Trotzphase.

Ist mein Kind schon in der Trotzphase?

Kind am Frühstückstisch mit wütendem Blick

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Ob Ihr Kind schon in der Trotzphase ist, erkennen Sie sicherlich schneller als Ihnen lieb ist. Kommen Ihnen etwa Situationen wie die folgenden bekannt vor? Der kleine Paul findet, es sei eine tolle Idee, zum Kinderturnen sein Lieblingsspielzeug mitzunehmen. Seine Mutter befürchtet hierbei nur ein Verletzungsrisiko und schon startet in der Umkleidekabine das Gezeter und Geheule. Ein anderes – sehr klassisches – Beispiel: Die kleine Frieda findet es absolut unsinnig, in den Supermarkt zu gehen, ohne Unmengen Süßwaren in den Einkaufskorb legen zu dürfen oder besser noch – sofort an Ort und Stelle zu verputzen. Sie schmeißt sich auf den Boden, schreit und strampelt, um ihren Willen durchzusetzen. Herzlich willkommen in der Trotzphase!

Das größte Problem für Eltern, die bemerken, dass ihr Kind mitten in der Trotzphase steckt, ist die Frage, wie sie sich verhalten sollen. Zum einen ist es unmöglich, dem Kind immer den eigenen Willen zu lassen – das Kind muss mitunter vor sich selbst geschützt werden, ganz zu schweigen davon, dass es früher oder später gesellschaftliche Normen erlernen und akzeptieren muss, um im Leben zurechtzukommen. Zum anderen möchte man mitunter lieber nachgeben, um in der Öffentlichkeit nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen und nicht ständig als Spielverderber dazustehen. Dabei ist auch zu beachten, dass die Trotzphase des eigenen Kindes auch in einem selbst etwas bewirken kann. Mitunter steigt Ungeduld oder sogar Wut auf die Situation hoch: Beides muss gebändigt werden. Die Trotzphase ist also eine wirkliche Herausforderung für Eltern. Wie sich Eskalationen vermeiden lassen und wann endlich ein Ende der Trotzphase in Sicht sein könnte, erfahren Sie jetzt.

 

Eskalationen in der Trotzphase vermeiden

Was Eltern benötigen, wenn die Trotzphase ihres Kindes langsam aber sicher beginnt, sind vor allem zwei Dinge: sehr viel Ruhe und eine Engelsgeduld. Klar – auch Erwachsene sind keine Maschinen, die diese beiden gewünschten Fähigkeiten auf Knopfdruck an den Tag legen können. Es fällt ihnen aber sehr viel leichter als einem Kind, das noch nicht gelernt hat, dass sein Wille für andere kein allgemeingültiges Gesetz ist. Die Eltern sind in der Trotzphase also im Idealfall ein ruhender Pol, wobei sie mitunter auch versuchen, bekannten Trotz auslösenden Situationen aus dem Wege zu gehen. Hilft Letzteres nicht, ist also die Fähigkeit als ruhender Pol besonders gefragt: Bei einem ganz konkreten Trotzanfall könnte dies zum Beispiel bedeuten, dass Eltern nicht mit ihren Kindern schimpfen, um nicht eine noch viel mächtigere Trotz- und Wutspirale auszulösen. Reagieren sie ruhig und warten sie ab, bleibt dem Kind viel mehr Raum, mit den ganzen Gefühlen, die während eines Trotzanfalls auf es einprasseln, klarzukommen und sich wieder zu beruhigen. Ist dies gelungen, können Eltern ihr Kind auch ruhig trösten und in den Arm nehmen. Das ganze Gefühlschaos in der Trotzphase ist schließlich auch für das Kind anstrengend und nicht absichtlich herbeigeführt. Mitunter hilft es auch, die gewünschte Beruhigung zu erreichen, indem das Kind aus der aufgeladenen Atmosphäre herausgenommen wird – etwa weg vom Süßigkeitenregal im Supermarkt hin zu einer Bank vor dem Supermarkt, wo es sich viel leichter wieder entspannen kann.

Dass ein Trotzanfall auf keinen Fall so weit eskalieren darf, dass die Involvierten in einen buchstäblich handfesten Konflikt geraten, ist verantwortungsbewussten Eltern selbstverständlich klar. Leider gilt dasselbe aber nicht für jedes Kind, das sich in der Trotzphase befindet: Neben Schreien und Weinen neigt manches Kind im Eifer des Gefechtes auch zum Hauen oder Treten, um hiermit seiner Wut Luft zu machen. Hier sind Eltern besonders gefordert: Sie sollten dieses Verhalten unterbinden. Aber wie? Hier scheint es sinnvoll, in einem ersten Schritt ruhig und sanft die Ausübung der „Tat“ zu vereiteln und dann später mit dem Kind, das sich wieder beruhigt hat und nun wieder aufnahmefähig ist, darüber zu reden, warum Treten, Hauen und Co. tabu sind. Sicherlich wird es bald verstehen, dass seine Handlungen anderen Menschen Schmerzen zufügen und sich dies auf keinen Fall gehört.

Lachende Kinder

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Ist ein Ende der Trotzphase in Sicht?

Eine quälende Frage im Zusammenhang mit der Trotzphase, die sich Eltern oft stellen, ist, wann selbige endlich endet. Genau, wie man nicht die Uhr danach stellen kann, wann die Trotzphase beginnt, gibt es für sie natürlich auch kein allgemeingültig festgeschriebenes Ende. Jedes Kind entwickelt sich schließlich individuell! Als grobe Orientierung ließe sich lediglich sagen, dass ein Ende der Trotzphase in etwa mit dem vierten Lebensjahr in Sicht kommen könnte. Doch freuen Sie sich nicht zu früh: Auch die weiteren Entwicklungsphasen Ihres Kindes werden immer wieder neue Herausforderungen für Sie parat halten. Sehr direkt nach der Trotzphase folgt zum Beispiel oft eine Phase, in der Kinder beginnen, viele und immer komplexere Fragen zu stellen. Auch in dieser Phase kann es noch zu dem einen oder anderen Trotzanfall kommen. Und dann ist da ja auch noch die Pubertät, in der es richtig wild zugehen kann – aber dies ist nun wirklich ein ganz anderes Thema. Denken Sie daran: Auch Ihre Kindheit und Jugend war sicherlich bunt und auch Sie haben die Geduld Ihrer Eltern bestimmt ab und an auf die Probe gestellt. So ist nun einmal das Leben! Genießen Sie es, auch wenn es mal etwas schwieriger zugeht, und verlieren Sie auf keinen Fall Ihren Humor und Ihre Ruhe.