In manch einer schlaflosen Nacht kommt frisch gebackenen Eltern die Zeit mit dem Baby endlos lang vor. Viele können es kaum erwarten, dass aus ihrem hilflosen Baby ein mobiles Kleinkind wird. Doch ist der erste Geburtstag dann gekommen, wundern sich Eltern, wo die Zeit plötzlich geblieben ist. Wir blicken auf ein Jahr voller Fortschritte und kleiner Wunder.

Das Baby ist da – und nichts ist, wie man es sich vorgestellt hat

Von langsamer Vorbereitung kann keine Rede sein: Kaum ist das Baby auf der Welt, verlangt es seinen Eltern einiges ab. Babys erstes Jahr beginnt mit der Geburt. Kaum ist diese geschafft, muss es sich mit seiner neuen Umgebung arrangieren, es lernt seine Mama und Papa aus einer neuen Perspektive kennen und stellt fest, dass seine Welt plötzlich ganz anders ist als noch vor wenigen Stunden. Dieses hilflose Wesen zu beschützen und ihm das Beste zu geben, wird fortan das Leben seiner Eltern bestimmen. Kaum auf der Welt, hat Ihr Baby schon seinen ersten Termin: Die U1 ist die erste Früherkennungsuntersuchung des Kindes. Sie findet unmittelbar nach der Geburt statt und prüft

Mama und Papa mit Kind

Das erste Jahr mit Baby vergeht wie im Flug (Foto: © kolinko_tanya / Dollar Photo Club)

  • Atmung
  • Hautfarbe
  • Reflexe
  • Muskeltätigkeit
  • Herzschlag
  • Fontanelle
  • Augen, Nase, Mund
  • Wirbelsäule, Gelenke und Extremitäten

Bis zum dritten Lebenstag finden zwei weitere Untersuchungen statt. Ein erweitertes Neugeborenenscreening testet angeborene Hormon- und Stoffwechselstörungen. Ein Hörscreening überprüft Hörstörungen. Meistens finden diese Untersuchungen noch im Krankenhaus statt.

Nach der Geburt – gleich nach Hause oder noch im Krankenhaus bleiben?

Schon vor der Geburt wissen die meisten Mütter, wie und wo sie ihr Kind gern entbinden würden. Auch die Entscheidung für oder gegen eine ambulante Geburt steht bei vielen Eltern schon lange vor dem Termin fest. Die grundlegende Frage lautet: Krankenhaus oder Geburtshaus? Auch eine Hausgeburt ist grundsätzlich möglich. Die Gründe für oder gegen einen Geburtsort sind individuell. Wer im Geburtshaus entbindet, geht wenige Stunden nach der Geburt mit seinem Säugling nach Hause. Die weitere Betreuung übernimmt die Nachsorgehebamme. Die U1 wird von der Hebamme vor Ort durchgeführt, die weiterführenden Screenings oft im Rahmen der U2 vom Kinderarzt. Wer im Krankenhaus entbindet und sich gegen eine ambulante Geburt entscheidet, geht meist erst nach der U2 nach Hause, die ab dem 3. Lebenstag des Kindes durchgeführt wird.

Kleinkinder bei einer Ärztin

Gesundheit und Entwicklung überprüft der Arzt bei mehreren Früherkennungsuntersuchungen (Foto: © RioPatuca Images / Dollar Photo Club)

Das Kennenlernen – eine spannende Zeit

Zwar hat man lange Zeit, sich auf sein Baby vorzubereiten, doch sieht die Praxis dann meist ganz anders aus als die Theorie. Die erste Zeit wird oft als Kennenlern- und Kuschelzeit bezeichnet. Auch wenn Mutter und Baby bereits seit Monaten eng miteinander verbunden waren und auch der Papa schon Kontakt zu seinem Kind aufnehmen konnte, ist so ein Säugling doch ein völlig fremdes Wesen. Dieses kleine Individuum hat bereits in den ersten Tagen auf der Welt kleine Eigenheiten, die es von anderen Babys unterscheidet. Es hat eine einzigartige Stimme und eine besondere Art zu kommunizieren. In den ersten Tagen und Wochen lernen Eltern und Baby einander kennen. Sie entwickeln erste Routinen und bauen eine noch stärkere Bindung zueinander auf.

Wann kommt der erste Entwicklungsschub?

Die kindliche Entwicklung schreitet rasend schnell voran. Schon nach wenigen Wochen hat Ihr Baby einen Entwicklungsschub. Die Entwicklungsschritte des Babys lassen sich zeitlich ungefähr eingrenzen, aber der Umfang und die Intensität können nur schwer vorhergesagt werden. Oft ist Babys Entwicklungsschub mit vielen Tränen und Unruhe verbunden. Die Kleinen wachsen und entwickeln sich und reagieren auf diese Veränderungen mit den wenigen Mitteln, die sie zur Verfügung haben. Mit Geduld und Liebe lassen sich die meisten Schübe gut aushalten. Die Gewissheit, dass es nur eine Phase ist, hilft vielen Eltern dabei, nicht zu kapitulieren. Hinzu kommt, dass man den meisten Kindern nach dem Schub deutlich anmerkt, welche Fähigkeit oder Eigenschaft sich entwickelt hat. So birgt jeder Entwicklungsschritt des Babys neue Überraschungen.

Babys erstes Jahr – die Entwicklungsschritte des Babys im Detail:

1. Schub ab Woche 5: Das Baby wächst und will viel kuscheln. Nach diesem Schub kann es viel besser hören und sehen. Viele Mütter stellen fest, dass ihr Kind sie nun besser wahrnimmt. Auch das ersehnte erste Lächeln kann sich nun einstellen.

2. Schub ab Woche 8: Das erste Fremdeln kann einsetzen. Am liebsten möchte das Baby nun bei Mama sein, eventuell auch bei Papa. Fremde werden zunächst skeptisch beäugt. Viele Babys entwickeln die Vorliebe für eine bestimmte Farbe.

3. Schub ab Woche 12: Das Baby entwickelt nun einen deutlich besseren Appetit, bedingt durch den wachsenden Magen. Für stillende Mütter bedeutet dies, dass sich die Milchproduktion erst anpassen muss. Geschieht dies nicht schnell genug, kann das zu Unzufriedenheit beim Baby führen. Eltern, die die Flasche geben, müssen entweder die Abstände zwischen den Mahlzeiten reduzieren oder die Milchmenge erhöhen.

4. Schub ab Woche 19: Dieser Schub kann zur Geduldsprobe werden. Er dauert etwa 4 bis 5 Wochen und ist begleitet von unruhigen Nächten und permanentem Hunger. Oft wird nun mit Beikost begonnen. Zudem wächst das Baby merklich, sodass nach dem Schub oft neue Klamotten benötigt werden.

5. Schub ab Woche 26: Dieser Schub verläuft oft unbemerkt. Danach können viele Babys sich umdrehen und erste Silben artikulieren. Das typische Babygebrabbel geht los und wird Ihr ständiger Begleiter.

6. Schub ab Woche 37: Für die Mobilität ist dieser Entwicklungsschub bei Babys ausschlaggebend, viele können danach krabbeln. Die Fähigkeit, Dinge zu verstehen, steigt. Richtig und falsch kann und sollte nun kommuniziert werden.

7. Schub ab Woche 47: Die Sprachentwicklung schreitet voran, viele Babys lernen ihr erstes Wort. Auch der eigene Wille wird fester, was in Wutanfällen resultieren kann. Babys werden nun eigenständiger und können auch mal alleine spielen.

Kind zwischen Spielzeug

Lachen, greifen, umdrehen – wichtige Entwicklungsschritte in Babys erstem Jahr (Foto: © Anna Kowolik / Dollar Photo Club)

U-Untersuchungen – Vorsorge für die gesunde Entwicklung

Immer wieder fragen sich Eltern, ob ihr Kind gesund und normal entwickelt ist. Einen Anhaltspunkt hierfür geben die Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt, auch als U-Untersuchungen bekannt. Diese Vorsorgeuntersuchungen beginnen kurz nach der Geburt mit der U1 und enden zwischen dem 13. und 14. Lebensjahr mit der J1. Die meisten Untersuchungen finden im 1. Lebensjahr statt, nämlich insgesamt sechs. Zu jeder Früherkennungsuntersuchung können Eltern dem Arzt Fragen stellen, wenn sie unsicher sind bezüglich der Entwicklung ihres Kindes. Gewicht, Größe und relevante Untersuchungsergebnisse werden im U-Heft des Babys eingetragen. Neben der Prüfung der allgemeinen Gesundheit sowie der körperlichen, motorischen und geistigen Entwicklung bilden diese Untersuchungen die richtige Basis für die Aufklärung über anstehende Impfungen. Wer nach den Empfehlungen der ständigen Impfkommission impft, muss in Babys erstem Jahr eine Menge Impftermine wahrnehmen. Für fast alle Krankheiten findet die Grundimmunisierung in den ersten Lebensmonaten statt. Der Kinderarzt berät über die gängigen Impfungen und mögliche Risiken.

Untersuchung Alter Inhalt
U1 nach der Geburt Prüfung von Herzschlag, Atmung, Muskeln, Skelett und Gelenken, Fontanelle, Augen, Nase, Mund
U2 3.-10. Tag Sinnesorgane, Organe und Reflexe werden getestet
U3 4.-5. Woche Altersgemäße Entwicklung von Motorik und Reflexen, Gewicht, Reaktionen, Hüftgelenksuntersuchung, Abfrage Trink-, Schlaf- und Verdauungsverhalten
U4 3.-4. Monat Überprüfung der altersgerechten Bewegung und Entwicklung, der Geschlechtsorgane, Sinnesorgane, Haut, Motorik und des Nervensystems
U5 6.-7. Monat Wie bei der U4
U6 10.-12. Monat Geistige Entwicklung, Beweglichkeit und die Sinnesorgane werden überprüft

Dem Alltag trotzen mit gemeinsamen Aktivitäten

Der Alltag mit Baby ist oft anstrengend. Vor allem wenn der Papa nur wenig oder gar keine Elternzeit in Anspruch nimmt, haben Mütter schnell das Gefühl, dass ihnen Zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Hier hilft es, sich regelmäßige Aktivitäten zu suchen, die mit Baby wahrgenommen werden können. Krabbelgruppen, Stilltreffs, PEKiP, Babyschwimmen oder Babymassage sind meist nicht nur gut für die motorische Entwicklung des Babys und die Mutter-Kind-Bindung, sondern auch für Mamas Psyche.

Großeltern, Verwandte und Freunde – Auszeiten sind wichtig

Besonders schön für Kinder und Eltern ist es, wenn die Großeltern in der Nähe wohnen und sich auch mal um das Kind kümmern können. Wird das Kind größer, kann es auch mal für mehrere Stunden oder sogar über Nacht bei den Großeltern bleiben. So haben die Eltern Zeit für sich und ihre Partnerschaft, während das Baby neue Erfahrungen sammeln kann. Aber auch einmalige Auszeiten sind gut für den Gemütszustand. Haben Sie vielleicht zur Geburt einen schönen Gutschein geschenkt bekommen für Wellness, Friseur oder ähnliches inklusive Kinderbetreuung, lösen Sie diesen ruhig ein und nutzen Sie die Zeit für sich.