Viele Eltern wollen mit einem zweiten oder dritten Kind ihr Familienglück komplettieren. Doch oft verläuft die erste Schwangerschaft ganz anders als die zweite und vor allem Frauen machen sich Gedanken darüber, was dieses Mal anders wird. Auch die Sorge, wie der große Bruder oder die große Schwester den Nachwuchs verkraftet, spielt in der zweiten Schwangerschaft eine große Rolle. Wir verraten Ihnen, was anders ist, was schöner sein kann als beim ersten Mal und wie Sie Ihr Kind auf die Ankunft des Babys vorbereiten können.

Mutter am Strand mit Kind

Die zweite Schwangerschaft erfordert mehr Organisation (Foto: © iko / Dollar Photo Club)

Die Sorgen der ersten Schwangerschaft hinter sich lassen

Die erste Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit. Viele Paare, die sich bewusst für die Schwangerschaft entschieden haben, fiebern dem positiven Schwangerschaftstest entgegen. Andere werden von plötzlich auftretender Übelkeit oder spannenden Brüsten überrascht, die dann zu einem Test und der Gewissheit führen, dass ein Kind heranwächst. Vor allem Mütter erleben ein Wechselbad der Gefühle, bestehend aus Vorfreude, Ängsten und Sorgen. Neben der tollen Erfahrung, sein Kind zu spüren und das Wunder einer Schwangerschaft zu erleben, haben viele Frauen Angst vor einer Fehlgeburt oder einer möglichen Krankheit des Kindes. Hinzu kommt die Sorge, ob man sein Kind ausreichend lieben wird, ob das Geld reicht, ob die Beziehung zum Vater hält und ob man es schaffen wird, eine gute Mutter zu sein. Ist dies alles ausgestanden und die ersten Monate mit dem Baby sind geschafft, verspüren viele Paare den Wunsch nach einem zweiten Kind und damit nach einer zweiten Schwangerschaft.

Den richtigen Zeitpunkt bestimmen nur die Eltern

Den richtigen Zeitpunkt für das zweite Kind gibt es nicht. Manche Eltern wollen einen möglichst geringen Abstand zwischen ihren Kindern, damit diese eine besonders innige Beziehung zueinander aufbauen und einander adäquate Gesellschaft bieten können. Andere wollen lieber ein paar Jahre warten, bis das erste Kind aus dem Gröbsten raus ist. Sind die großen Geschwister schon älter, sind sie oft verständnisvoller und können besser eingebunden werden, indem sie helfen dürfen. Dabei besteht allerdings die Möglichkeit, dass die Beziehung nicht so intensiv wird, weil der Altersabstand zu groß ist. Auch bei Familienaktivitäten kann es zu Unstimmigkeiten kommen, wenn die Interessen der Kinder weit auseinanderliegen. Da dies jedoch auch andere Ursachen als den Altersunterschied haben kann, sollte dieses Argument keine allzu große Rolle spielen. Manchmal ist auch der Kinderwunsch schon abgeschlossen und plötzlich kommt mit einem neuen Partner wieder der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind auf. In solchen Fällen ist ein großer Altersunterschied meist vorprogrammiert. Andere Paare verlassen sich auf Stillen als Verhütungsmethode und werden bei einer Nachsorgeuntersuchung von einer erneuten Schwangerschaft überrascht. Im Idealfall sollte die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt für eine zweite Schwangerschaft individuell vom Paar getroffen werden. Auch die Frage, ob es überhaupt ein zweites Kind geben soll, muss ganz allein von den betroffenen Eltern beantwortet werden. Dabei ist es auch erlaubt, mit alten Vorsätzen zu brechen, immerhin beeinflusst die Frage nach einem Geschwisterkind das Leben von mindestens drei Personen sehr massiv.

Junge mit Baby

Mit einem großen Altersabstand kann der große Bruder den Eltern helfen (Foto: © famveldman / Dollar Photo Club)

Haben sich Eltern für eine zweite Schwangerschaft und damit für ein zweites Kind entschieden, machen viele die Erfahrung, dass es jetzt viel schneller geht mit dem Schwanger werden. Einen medizinischen Grund gibt es dafür nicht. Oft sind Paare aber gelassener, wenn es um das zweite Kind geht, und stellen damit die Weichen für eine schnelle Empfängnis. Ist die Schwangerschaft bestätigt, sind viele Eltern entspannter als in der ersten Schwangerschaft. Sie wissen, was auf sie zukommt und zusätzlich nimmt das erste Kind so viel Raum ein, dass die Mutter wenig Zeit hat, sich so intensiv mit der Schwangerschaft zu beschäftigen wie beim ersten Kind. Viele Mütter berichten, dass die zweite Schwangerschaft eher nebenbei verlief, während die erste noch das ganze Denken bestimmt hat. Da mindestens ein weiteres Kind die mütterliche Aufmerksamkeit fordert, kann sich die Mutter nicht auf die Schwangerschaft konzentrieren. Auch Ruhephasen sind meist nur eingeschränkt möglich. Hier ist es wichtig, dass der Vater sich einbringt, damit seine schwangere Frau auch mal eine Auszeit nehmen und sich entspannen kann.

Der Körper reagiert oft anders auf die zweite Schwangerschaft

Inwieweit die zweite Schwangerschaft sich körperlich von der ersten unterscheidet, kann niemand vorhersehen. Oft haben Mütter weniger mit Übelkeit zu kämpfen, wenn sie davon bereits in der ersten Schwangerschaft stark betroffen waren. Ein Garant ist es jedoch nicht. Vermutlich wird der Bauch früher zu sehen sein. Dies liegt daran, dass das Gewebe bereits vorgedehnt ist. Das Dehnen der Bänder im Beckenbereich kann schon früh und schmerzhaft zu spüren sein. Frauen, die unter Diabetes oder Krampfadern leiden mussten, müssen dies meist auch in der zweiten Schwangerschaft aushalten. Durch die Erfahrungen der ersten Schwangerschaft kommen die meisten Frauen damit aber deutlich besser zurecht als beim ersten Mal. Das Risiko einer Präeklampsie, also einer Schwangerschaftsvergiftung, liegt in der zweiten Schwangerschaft bei nur einem Prozent, wenn in der ersten Schwangerschaft keine aufgetreten ist. Um sich und vor allem sein Baby vor Risiken zu schützen, sollten auch in der zweiten Schwangerschaft alle notwendigen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden. Gesunde Ernährung, ein ausgeglichener Lebenswandel, ein gesundes Maß an Bewegung und die rechtzeitige Einnahme von Folsäure minimieren die Risiken für Mutter und Kind und halten beide fit und gesund.

Die Schwangerschaft genießen und intensiv erleben

Da viele Frauen der zweiten Schwangerschaft weniger Beachtung schenken als der ersten und dies später bereuen, sollten sich die werdenden Mütter bewusst Zeit für sich und das heranwachsende Baby nehmen. Hierfür bietet sich zum Beispiel ein spezieller Kurs für Schwangere an. Dies kann ein Sportkurs sein wie Schwangerenyoga oder Wassergymnastik, aber auch ein Geburtsvorbereitungskurs für Mütter, die bereits Kinder haben, kann eine gute Erfahrung sein. Wer auf solche Kurse keine Lust hat oder wem die Zeit fehlt, kann sich eine bestimmte Zeit am Tag einräumen, die Mutter und Kind vorbehalten ist. In dieser Zeit kann sich die Mutter intensiv mit ihrem Bauch beschäftigen, in sich hineinhören und dies mit einer Bauchmassage oder einigen Sportübungen kombinieren.

Vorsorge kann auch die Hebamme durchführen

Natürlich haben Frauen auch in der zweiten Schwangerschaft Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme. Weil sie in der ersten Schwangerschaft bereits viele Erfahrungen gesammelt haben, möchten viele Frauen die Frequenz ihrer Frauenarztbesuche reduzieren. Dies ist möglich, wenn eine Hebamme früh die Vorsorge übernimmt. Finden Vorsorgeuntersuchungen abwechselnd bei Arzt und Hebamme statt, reduzieren sich die Arztbesuche deutlich. Viele Hebammen verfügen über ein umfassendes technisches Equipment und sind auch in der Lage, einen Ultraschall oder ein CTG zu machen. Auch nach der Geburt steht die Hebamme wie beim ersten Kind zur Verfügung und hilft in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt mit dem Kind, wenn dies gewünscht wird.

Schwangere bei einer Untersuchung

Vorsorgeuntersuchungen können auch von einer Hebamme durchgeführt werden (Foto: © Kzenon / Dollar Photo Club)

Die zweite Geburt – oft schneller als die erste

Viele Gedanken drehen sich während der zweiten Schwangerschaft um die anstehende Geburt. Diese soll beim zweiten Kind schneller gehen und einfacher sein. Oft ist dies tatsächlich so, es muss aber nicht so sein. Trotzdem beruhigt es viele Mütter zu wissen, was auf sie zukommt. Vor allem wenn die erste Geburt komplikationslos war, sehen die meisten Frauen der zweiten Geburt gelassen entgegen. Doch selbst wenn es bei der ersten Geburt Probleme gab, kann die zweite Geburt ganz entspannt werden. Auch Mütter, die bereits einen Kaiserschnitt hatten, können im Normalfall beim zweiten Kind normal entbinden, wenn sie das wünschen.

Große Geschwister auf den Nachwuchs vorbereiten

Während der zweiten Schwangerschaft liegt den Eltern viel daran, das erste Kind bestmöglich auf die Ankunft des Geschwisterchens vorzubereiten. Dies geht am besten, wenn dem Älteren realistisch mitgeteilt wird, dass es einen Bruder oder eine Schwester bekommt und dass dieses Kind am Anfang viel Aufmerksamkeit benötigen wird. Mit der Aussicht auf einen tollen Spielkameraden wird die Vorfreude zwar vielleicht vergrößert, die Enttäuschung, dass sich das ersehnte Geschwisterchen aber zunächst als schreiendes Bündel entpuppt, wird aber dann umso größer sein. Dem ersten Kind hilft es zu wissen, dass es selbst auch einmal so ein kleines Baby war, das niedlich aussah und von allen umsorgt wurde. Bilder aus der ersten Schwangerschaft mit rundem Bauch können dem großen Kind zeigen, dass es die gleichen Voraussetzungen hatte wie der neue Bruder oder die neue Schwester. Auch die Einbindung des großen Kindes in verschiedene Aufgaben hilft, den Nachwuchs besser zu akzeptieren. Fühlen sich große Geschwister wichtig und gebraucht, verkraften sie es eher, auch mal zurückstecken zu müssen. Hilfreich ist es, bereits während der Schwangerschaft neue Bezugspersonen zu etablieren. So freut sich das große Kind, ganz exklusiv zur Oma zu dürfen, und fühlt sich nicht abgeschoben.