Kaum ein Thema beschäftigt junge Eltern mehr als der Schlaf ihres Kindes. Schläft es durch oder muss es nachts stündlich gestillt oder gefüttert werden? Macht es gern die Nacht zum Tag oder schläft es problemlos ein? Und wo ist der beste Schlafplatz für das Baby? Manche Babys schlafen vom ersten Tag an im eigenen Bett, andere die ersten Monate oder sogar Jahre im Familienbett an der Seite von Mama und Papa. Wir beleuchten die Vor- und Nachteile verschiedener Schlafmodelle.

Schlafendes Baby halt Hand der Mutter

Geborgenheit ist wichtig für ungestörten Babyschlaf (Foto: © JenkoAtaman / Dollar Photo Club)

Manchen Eltern sind ihr Nachtschlaf und ihr gemeinsames Bett heilig, andere wollen möglichst Tag und Nacht ihr Baby um sich haben. Betrachtet man sich die historische Entwicklung, ist das getrennte Schlafen von Eltern und Kindern eher ein neuzeitliches Phänomen. Schon früh in der Menschheitsgeschichte war es üblich, dass die Familie gemeinsam in einem Raum oder sogar in einem Bett schlief. Die Gründe dafür waren nicht immer dieselben:

  • Gemeinsam schlafen war sicherer – drangen wilde Tiere in eine Höhle ein, konnten Kinder nur überleben, wenn sie durch die Gemeinschaft auch nachts geschützt waren.
  • Gemeinsam schlafen war günstiger – es wurde weniger Platz benötigt, es musste weniger geheizt werden.
  • Es gab keinen Raum für getrennte Schlafplätze – Wohnraum war oft Mangelware und teuer. Daher mussten alle Familienmitglieder zusammenrücken.

Heute sind diese Gründe in westlichen Industrienationen weitgehend überholt. Erst etwa seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es zunehmend üblicher, Kinder in eigenen Zimmern schlafen zu lassen.

Familienbett – die große Schlaffläche für die ganze Familie

Seit einiger Zeit gewinnt das Familienbett wieder an Bedeutung. Familien entscheiden sich bewusst dafür, den Nachwuchs bei sich im Bett schlafen zu lassen. Entweder mit einer zeitlichen Begrenzung oder solange, bis das Kind von sich aus entscheidet, nun alleine schlafen zu wollen. Gegner des Familienbetts befürchten eine Verweichlichung der Kinder und sorgen sich um die Sicherheit beim sogenannten Co-Sleeping. Doch solche Bedenken sind unbegründet. Weder das Familienbett noch das Schlafen im eigenen Zimmer birgt ernsthafte Gefahren für Leib und Seele eines Kindes.

Vor- und Nachteile des Familienbetts auf einen Blick:

Pro Contra
Stillen funktioniert unkomplizierter, da Mama nicht aufstehen muss Kinder und Eltern können sich gegenseitig im Schlaf stören
Viele Kinder schlafen besser, weil sie sich sicher und geborgen fühlen Familienbett benötigt mehr Platz, eventuell muss umgebaut werden
Unbewusst nehmen Mütter Atmung und Temperatur des Kindes wahr, so reduziert sich das Risiko eines plötzlichen Kindstods Rutscht das Baby unter die Decke, kann es überhitzen
Kinder im Familienbett werden oft länger gestillt, auch das reduziert das SIDS-Risiko Risiko, aus dem Bett zu fallen, wenn das Kind mobil wird
Schlafen ist oft auch in fremden Umgebungen unproblematisch, solange die Eltern da sind Das elterliche Liebesleben leidet oft unter dem Baby im Bett
Nächtliche Wachphasen bei Mutter und Kind sind meist sehr kurz Nicht geeignet für Raucher: Das SIDS-Risiko steigt deutlich mit einem Raucher im Bett
Auch Väter können ihren Babys sehr nah sein Kinder lassen sich später manchmal nur schwer vom eigenen Bett überzeugen

 

Besonders praktisch ist das Familienbett, wenn die Mutter ihr Baby noch stillt. Denn schläft das Baby im eigenen Bett oder sogar im eigenen Zimmer und muss nachts noch gestillt werden, ist dies für die Mutter ein ziemlicher Aufwand. Bequemer ist es, sich auf die Seite zu drehen, das Kind andocken zu lassen und weiterzuschlafen. Die Angst, dass man sich nachts aus Versehen auf sein Kind legen könnte, ist unbegründet. Dies setzt allerdings voraus, dass beide Eltern bei klarem Verstand sind. Alkohol und starke Medikamente sind tabu, weil sie die Schutzinstinkte herabsetzen können. Auch Raucher müssen draußen bleiben: Durch die von ihnen ausgeatmeten Schadstoffe ist das Risiko des plötzlichen Kindstods im Familienbett deutlich erhöht. Für Babys ist das Familienbett meist eine sehr positive Erfahrung. Gewöhnt an intensive Nähe möchten Babys auch nachts Geborgenheit und Liebe spüren können. Dies geht im Familienbett ohne Probleme. Oft haben Kinder weniger Probleme beim Einschlafen und keine Angst im Dunkeln. Dafür müssen allerdings die Eltern Abstriche hinnehmen. Nur wenn beide Eltern voll hinter dem Konzept stehen, kann es klappen.

Mutter und Vater mit Kindern im Bett

Das Familienbett birgt einige Vorteile für die Eltern und fürs Baby (Foto: © Monkey Business / Dollar Photo Club)

Familienbett – das wird benötigt

Ein Familienbett braucht mehr Platz als separate Betten für Eltern und Kind. Das Familienbett sollte mindestens 1,60 m breit sein, besser mehr. Idealerweise hat es nur eine Matratze, damit niemand in der Lücke zwischen den Matratzen schlafen muss. Als Erweiterung kann auch ein Gitterbett in der gleichen Höhe an eine Seite des Betts gestellt werden. Entfernt man eine Seitenwand, hat das Baby seinen eigenen Balkon direkt am elterlichen Bett. Eine Alternative zum großen Bett ist ein Matratzenlager auf dem Fußboden. Wer ein Familienbett bauen will, kann entweder einen Rahmen um die Matratzen zimmern oder ein Podest errichten. Auch ein Rausfallschutz ist eine gute Sache, spätestens wenn die Kinder mobil werden. Ist das Familienbett groß genug, ist neben dem Babyschlaf auch der Schlaf der Eltern gewährleistet.

Familienbettmodelle im Überblick:

  • Ein großes Bett, mindestens 1,60 m breit mit einer Matratze
  • Ein großes Bett mit seitlich angestelltem und an dieser Seite offenem Babybett
  • Matratzen auf dem Boden, entweder in einem Rahmen oder lose
  • Seitliche Gitter schützen gegen das Rausfallen
  • Kissen auf dem Boden mindern eventuelle Stürze ab

Mehr individueller Raum – das Baby im eigenen Bett

Doch nicht alle Eltern können oder wollen ihr Bett mit ihrem Baby teilen. Für sie gibt es verschiedene Möglichkeiten. Als Kompromiss zwischen eigenem und Familienbett kann ein sogenannter Babybay neben das Elternbett gestellt werden. Dieser ist an der Seite offen, so hat die Mutter schnellen Zugriff auf das Baby, dieses hat aber trotzdem seinen eigenen Bereich. Auch das Babybett oder der Stubenwagen im elterlichen Schlafzimmer ist eine Möglichkeit, das Baby in den ersten Monaten unterzubringen. Eltern können schnell reagieren, wenn das Baby wach wird oder etwas braucht, müssen sich aber trotzdem im eigenen Bett nicht einschränken. Eine weitere Option ist es, das Baby im eigenen Zimmer schlafen zu lassen. Hier kann es ungestört und unabhängig vom elterlichen Schlafrhythmus schlafen. Unruhiger Schlaf oder hustende Eltern beeinträchtigen es nicht.

Die Vor- und Nachteile eines eigenen Betts:

Pro Contra
Die Eltern haben ihr Bett für sich, das Liebesleben leidet eventuell weniger Nächtliches Stillen/Füttern ist aufwendiger
Eltern und Baby stören sich weniger gegenseitig Babys schlafen manchmal unruhiger, weil sie die Nähe der Eltern vermissen
Das Ausquartieren aus dem Elternschlafzimmer ist unkompliziert möglich Möglicherweise höheres SIDS-Risiko, wenn das Kind keine elterlichen Atemgeräusche hört
Das eigene Bett ist verletzungssicher, keine zusätzliche Sicherung notwendig Manche Mütter werden häufiger nachts wach, weil sie nach dem Baby schauen wollen
Weniger Platzbedarf als das Familienbett, flexiblere Raumneugestaltung möglich

Natürlich müssen Eltern sich nicht strikt für ein Modell entscheiden. Auch ein Kind, das von Anfang an im eigenen Bett schläft, wird sicherlich manche Nacht bei den Eltern im Bett verbringen. Vor allem wenn Zähne durchbrechen oder eine Krankheit dem Kind zu schaffen macht, braucht es mehr Nähe als üblich.

Baby mit Kuscheltier im Kinderbett

Im jeweils eigenen Bett können Eltern und Baby ungestört schlafen (Foto: © doble.d / Dollar Photo Club)

Dann nehmen viele Eltern ihr Baby entweder mit ins Bett oder machen es sich im Kinderzimmer bequem. Ein gemütlicher Sessel, eine Matratze oder ein Schlafsofa neben dem Babybett können in solchen Nächsten Gold wert sein. Auch eine gute Nacht Geschichte kann wunder wirken.

Entscheidend ist, was sich individuell richtig anfühlt

Nicht alle Babys ticken gleich. Die einen scheinen zu verzweifeln, wenn sie nicht rund um die Uhr in Mamas Nähe sein können, andere verlangen weinend, wieder ins eigene Bett zu dürfen, wenn sie von den Eltern während eines Fieberschubs ins elterliche Bett geholt wurden. Jede Familie muss für sich den Weg finden, mit dem sie am besten leben kann. Richtig oder falsch gibt es dabei nicht. Wichtig ist, dass der Weg für alle bequem und gangbar ist. Denn nur wenn die Eltern hinter der Entscheidung für ihr Schlafmodell stehen, kann sich diese Sicherheit auf das Kind übertragen. Einfacher wird es für Eltern, wenn sie ihre Entscheidungen hauptsächlich für den Moment treffen. Wer beispielsweise auf das Familienbett verzichtet, weil er Sorge hat, das Kind später nicht ins eigene Bett ausquartieren zu können, wird später immer wieder mit seiner Entscheidung hadern. Einfacher ist es, sich über die Dinge erst dann zu sorgen, wenn es wirklich nötig ist. So bekommen sowohl Eltern als auch Babys das, was für eine zufriedene Familie nötig ist: Ausreichend erholsamen Schlaf.