Kleines Kind zeigt mit dem Finger auf den Schriftzug Elterngeld inmitten vieler Geldscheine

Elterngeld oder Elterngeld Plus? © Robert Kneschke / Dollar Photo Club

Werdende Eltern haben viele Fragen und Sorgen. Diese betreffen die Partnerschaft, die Gesundheit des Kindes, Angst vor der Geburt, aber natürlich auch die finanzielle Situation während und nach der Schwangerschaft. Viele Eltern fürchten sich vor der finanziellen Verantwortung, vor dem Verdienstausfall der Mutter und dem beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Um Eltern zu entlasten, gibt es in Deutschland das Elterngeld, das allen frischen Eltern zusteht. Für Kinder, die nach dem 1. Juli 2015 geboren werden, kommt auch das Elterngeld Plus in Frage. Wir zeigen Ihnen die Unterschiede zwischen dem neuen und dem alten Elterngeld.

Elterngeld – Doppelverdiener sorgen sich um die finanzielle Absicherung

Die Zeiten, als die Männer für die alleinige Versorgung der Familie zuständig waren, sind vorbei. In der Regel teilen sich heute Frauen und Männer die Finanzierung des gemeinsamen Lebens. Doppelverdienerhaushalte werden dabei zunehmend zum deutschen Ideal. Innerhalb weniger Jahre vollzog sich ein Wandel in der Einstellung vieler Menschen hin zu einer gleichberechtigten Finanzierung des gemeinsamen Lebens. Dabei vermischen sich Wunsch und Notwendigkeit. Denn auch wenn viele Frauen auskosten, dass sie im Berufsleben ebenso anerkannt werden wie ihre Männer, Karriere machen und sich wohlfühlen in der Geschäftswelt, spielt bei vielen Paaren auch die finanzielle Komponente eine wichtige Rolle. Das Alleinverdienermodell, das bis vor einiger Zeit noch als erstrebenswertes Ideal galt, kann in den meisten Familien nicht mehr funktionieren. Geringe Einkommen, die fehlende Sicherheit des Arbeitsplatzes und steigende Lebenshaltungskosten erfordern oft mehr Geld, als einer allein verdienen kann.

Elterngeld soll finanzielle Nachteile ausgleichen

Mann, Frau und Kind unter einer Decke

Mehr Zeit für die Familie durch Elterngeld © detailblick / Dollar Photo Club

Vor allem Akademikerinnen und Frauen in anerkannten und gutbezahlten Jobs bleiben zunehmend kinderlos. Familie und Beruf gelten immer noch als schlecht zu vereinbaren und auch finanziell wollen viele Frauen keine Abstriche in Kauf nehmen. Um dem entgegenzuwirken und die finanziellen Nachteile von Familien auszugleichen, gibt es seit 2007 das Elterngeld. Das Elterngeld stellt eine Entgeltersatzleistung dar, die in Abhängigkeit vom vorherigen Einkommen nach der Geburt des Kindes gezahlt wird. Im Zusammenspiel mit dem seit 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr will der Staat damit den Anreiz erhöhen, eine Familie zu gründen und die damit einhergehenden negativen Aspekte zu reduzieren.

Elterngeld orientiert sich am vorherigen Gehalt

Das Elterngeldgesetz (formal Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit – BEEG) gilt für alle Kinder, die nach dem 1. Januar 2007 geboren wurden. Das Elterngeld nimmt seitdem die Stelle des bis dahin gezahlten Erziehungsgeldes ein. Der Bezug ist auf zwölf Monate begrenzt, zwei zusätzliche Monate werden gewährt, wenn Vater und Mutter sich die Elternzeit aufteilen. Berechnet wird das Elterngeld in Abhängigkeit vom Einkommen vor der Geburt des Kindes. Das Elterngeld für Selbstständige wird dabei anders berechnet als das von Angestellten. Grundsätzlich jedoch beträgt das Elterngeld zwischen 65 und 100 Prozent des monatlichen Netto-Einkommens vor der Geburt. Je niedriger vorher der Verdienst war, umso höher ist der anzurechnende Prozentsatz. Gedeckelt ist das Elterngeld auf einen Höchstbetrag von 1.800 Euro monatlich. Auch Elternteile, die mehr als etwa 2.770 Euro verdienen, erhalten dennoch nur ein monatliches Elterngeld von maximal 1.800 Euro. Geringverdiener und Mütter ohne Einkommen erhalten einen Mindestsatz von 300 Euro. Wer als Elternpaar mehr als 500.000 Euro im Jahr oder 250.000 Euro als Alleinerziehender verdient, geht leer aus. Hier besteht kein Anspruch auf Elterngeld.

Auch Väter haben ein Recht auf Elternzeit und Elterngeld

Mann am Laptop und Kind betreuen

Immer mehr Väter nehmen Elternzeit © .shock / Dollar Photo Club

Das Elterngeld ist unabhängig von der Elternzeit. Väter haben auf beides den gleichen Anspruch wie Mütter. Der Elterngeldbezug ist auf maximal 14 Monate beschränkt, Elternzeit kann bis zu drei Jahre in Anspruch genommen werden. Der Anspruch auf das Elterngeld beginnt mit der Geburt des Kindes und wird den Lebensmonaten entsprechend berechnet. Für ein am 15. Juli geborenes Kind beginnt also der erste Anspruchsmonat am 15. Juli und endet am 14. August. Die Berechnung erfolgt also nicht anhand von Kalendermonaten. In der Praxis ist dies beispielsweise relevant, wenn Teilzeit in Elternzeit gearbeitet wird. In der Elternzeit ist die maximale wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden begrenzt. Wird während des Elterngeldbezugs ein Monat gearbeitet, zum Beispiel vom 1. bis 28. Februar, wird das dabei verdiente Geld auf zwei Monate Elterngeld angerechnet. Dadurch können sich in der Praxis finanzielle Nachteile ergeben.

Flexibler Wiedereinstieg in den Beruf mit dem neuen Elterngeld Plus

Um Arbeiten in Teilzeit und Elternzeit besser miteinander kombinieren zu können, gibt es für Kinder, die ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, das Elterngeld Plus. Dieses fördert speziell Familien, die sich für eine Kombination aus Teilzeitarbeit und Kinderkriegen entscheiden. Das Elterngeld Plus wird doppelt so lange ausgezahlt wie das reguläre Elterngeld, hinzu kommt ein Partnerschaftsbonus von vier Monaten. Der Anspruch besteht also, wenn beide Eltern sich einbringen, für 28 Monate. Dabei entspricht ein bisheriger Elterngeld-Monat zwei Elterngeld-Plus-Monaten. Es wird also länger ausbezahlt, dafür jedoch nur in halber Höhe des normalen Elterngeldes. War es bisher so, dass ein Arbeitseinkommen während des Elterngeldbezugs in voller Höhe auf das Elterngeld angerechnet wurde, kann nun die Teilzeitbeschäftigung ohne Einbußen fortgesetzt werden. Die Bedingung dafür ist, dass der Elternteil zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeitet. Um den Partnerschaftsbonus zu erhalten, müssen beide Elternteile gemeinsam einen Antrag stellen und nachweisen, dass sie für mindestens vier Monate einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen werden. Dies geschieht durch eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber. Durch das neue Elterngeld Plus ergibt sich also auch ein Elternzeit-Plus mit finanzieller Absicherung. Hinzu kommt ein flexiblerer Wiedereinstieg in den Beruf ohne finanzielle Nachteile.

Diese Vorteile hat das neue Elterngeld Plus:

Teilzeitarbeit ist von Anfang an möglich, 25 bis 30 Stunden Arbeit in der Woche sind auch während des Elterngeldbezugs möglich.
• Eine flexible und frühe Rückkehr an den Arbeitsplatz wird unterstützt.
• Das Elterngeld Plus wird doppelt so lange ausgezahlt wie das normale Elterngeld.
• Durch den Partnerbonus können vier weitere Elterngeldmonate gewonnen werden.
• Auch Alleinerziehende, die in Teilzeit arbeiten wollen, können das Elterngeld Plus inklusive den Partnermonaten nutzen.

Eine gute Übersicht über die Vorteile und die Änderungen am neuen Elterngeld Plus bietet das Bundesfamilienministerium
Damit bei der Elterngeldberechnung nichts schief geht, sollte der Elterngeldantrag möglichst schon vor der Geburt vorbereitet werden. Dann müssen nach der Geburt nur noch letzte Daten nachgetragen werden. Da die Elterngeldberechnung je nach Bundesland einige Wochen dauern kann, lohnt es sich, den Antrag so schnell wie möglich nach der Geburt abzugeben, damit direkt nach dem Mutterschaftsgeld Elterngeld oder Elterngeld Plus gezahlt werden kann. Auch nach der Einführung des Elterngeld Plus können Eltern zwischen dem bisherigen Elterngeld und dem neuen Elterngeld Plus wählen. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich.

Vorteile auch für Alleinerziehende

Das Elterngeld steht nicht nur Paaren offen, sondern auch Alleinerziehenden. Mussten diese bisher über das alleinige Sorgerecht oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht verfügen, wurden diese Regelungen gelockert. Damit stehen die Partnermonate und der Partnerbonus auch Alleinerziehenden zu, die nicht das alleinige Sorgerecht haben. Relevant dafür ist, dass sie die Voraussetzungen für den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erfüllen, die im Einkommenssteuergesetz aufgeführt sind.