Die Mutter kümmert sich um Haushalt und Kinder, der Vater bringt das Geld nach Hause? Was lange Zeit als Ideal unserer Gesellschaft galt, gerät zunehmend ins Wanken. Doppelverdiener-Haushalte, gleichberechtigte Aufgabenverteilung und immer mehr Väter, die Elternzeit nehmen, um intensiv Zeit für ihre Kinder zu haben, beschreiben mehr und mehr den Alltag deutscher Familien. Doch ist das wirklich so oder sind es immer noch vor allem Mütter, die für den Nachwuchs zu Hause bleiben? Das Babykarten-Magazin schaut zurück und betrachtet die Elternzeit im Wandel der Jahrzehnte.

Füße von Mutter, Vater und Kind

Die Elternzeit fördert den familiären Zusammenhalt (Foto: © didesign / Dollar Photo Club)

Elterngeld Plus soll Anreize schaffen, beide Eltern stärker einzubinden

Obwohl der Gesetzgeber in Deutschland bemüht ist, die Vereinbarkeit von Kind und Beruf voranzubringen und auch Väter stärker in die Kindererziehung einzubinden, sieht die Realität oftmals kaum anders aus als noch vor 20 oder 30 Jahren. Zwar nehmen immer mehr Väter Elternzeit, die meisten von ihnen beschränken sich jedoch auf die 2 Mindestmonate. Im letzten Quartal des Jahres 2013 nahm nur etwa ein Drittel der frischgebackenen Väter Elternzeit. Fast 80 Prozent dieser Väter beschränkten sich auf die 2 Mindestmonate. Den größten Anteil an der Kindererziehung haben also auch heute noch die Mütter. Da Frauen statistisch weniger verdienen als Männer, kann in einem Doppelverdiener-Haushalt auf das Einkommen der Mutter leichter verzichtet werden. Abhilfe soll hier das neue Elterngeld Plus schaffen, das Eltern ermöglicht, während der Elternzeit ohne Abzüge arbeiten zu gehen. Dies soll zum einen die Vereinbarkeit von Kind und Karriere weiter fördern und zum anderen auch für Männer einen Anreiz darstellen, sich stärker in der Familie einzubringen.

Elterngeld oder Elterngeld Plus? Welche Variante lohnt sich für mich?­­­

Mit dem Elterngeld Plus, das alle Eltern beantragen können, deren Kind nach dem 1. Juli 2015 geboren wurde, wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker gefördert. Elterngeld Plus wird doppelt so lange gezahlt wie Elterngeld, sodass Eltern auch nach dem 14. Lebensmonat des Kindes noch eine finanzielle Unterstützung haben. Aus einem Elterngeld-Monat werden 2 Elterngeld-Plus-Monate. Arbeiten beide Elternteile mindestens 4 Monate am Stück 25 bis 30 Stunden in der Woche, erhöht sich der Anspruch auf 28 Monate. Dabei haben Eltern die Wahl, ob sie sich für das herkömmliche Elterngeld oder das Elterngeld Plus entscheiden. Tatsächlich können sogar beide Varianten miteinander kombiniert werden. Da die meisten Mütter nicht direkt im Anschluss an den Mutterschutz wieder arbeiten wollen, bietet sich für die erste Zeit das herkömmliche Elterngeld an. Es entspricht 65 bis 100 Prozent vom vorherigen Einkommen und wird in einer maximalen Höhe von 1800 Euro ausgezahlt. Je geringer der Verdienst vor der Geburt war, umso niedriger ist die Differenz von Einkommen zu Elterngeld. Der Mindestbetrag liegt bei 300 Euro und wird auch den Frauen gezahlt, die vor der Geburt kein Einkommen hatten.

Elterngeld kann mit Elterngeld Plus kombiniert werden

Entscheidet sich eine Mutter, nach der Geburt 6 Monate komplett zu Hause zu bleiben, verbraucht sie 6 von 12 Monaten Elternzeit. Möchte sie anschließend 25 Stunden pro Woche wieder in ihren Beruf zurückkehren, kann sie ihre verbleibenden Elterngeld-Monate als Elterngeld-Plus-Monate verwenden. Sie erhält dann ohne Abzüge den Betrag, der ihr an normalem Elterngeld zustünde, aufgeteilt auf 12 statt 6 Monate. Entscheidet sie sich für die restlichen 6 Monate für das normale Elterngeld, wird ihr Einkommen angerechnet. Bleibt ein Elternteil für 12 Monate zu Hause, um anschließend wieder Vollzeit in den Beruf zurückzukehren, lohnt sich das Elterngeld Plus nicht. Hier ist es praktischer, sich für das herkömmliche Elterngeld zu entscheiden.

Kind und telefonierende Mutter

Mit Elterngeld Plus wird die Rückkehr ins Berufsleben gefördert (Foto: © Igor Mojzes / Dollar Photo Club)

Elterngeld-Antrag: Das wird benötigt

Das Elterngeld wird bei der zuständigen Elterngeldstelle beantragt. Obwohl es sich um eine Bundesleistung handelt, sind die Anträge nicht einheitlich, sondern von Bundesland zu Bundesland verschieden. Es empfiehlt sich also, vorher den passenden Antrag zu besorgen. Diesen findet man im Internet.

Checkliste für den Elterngeld-Antrag:

  • Der vollständig ausgefüllte Elterngeldantrag
  • Eine Original-Geburtsurkunde des Kindes
  • Einkommensnachweise für die letzten 12 Monate vor der Geburt bzw. vor dem Mutterschutz
  • Wird Mutterschutzgeld bezogen ein Nachweis über dessen Höhe
  • Nachweis über Arbeitgeberzuschuss während des Mutterschutzes
  • Nachweis über Lohnersatzleistungen wie ALG I
  • Bei Selbstständigen der letzte Steuerbescheid

Das Elterngeld kann rückwirkend ausgezahlt werden, allerdings nur für 3 Monate. Entscheidend ist hierfür der Eingang bei der zuständigen Behörde. Um im allgemeinen Stress nach der Geburt den Antrag nicht zu vergessen, empfiehlt es sich, diesen bereits vor der Geburt auszufüllen und alle notwendigen Unterlagen zusammenzutragen. Nach der Geburt muss dann nur noch die Geburtsurkunde hinzugefügt werden, sodass der Antrag schnell gestellt werden kann.

Elternzeit betrifft nur Eltern in festen Arbeitsverhältnissen

Die Elternzeit ist unabhängig vom Elterngeld und nur für Väter und Mütter relevant, die sich vor der Geburt in einem festen Arbeitsverhältnis befunden haben. Generell haben Eltern einen Anspruch darauf, bis zum 3. Lebensjahr des Kindes Elternzeit zu nehmen, wenn sie dieses Kind sowohl selbst erziehen als auch selbst betreuen. Bis zu 24 Monate Elternzeit können auch zwischen dem 3. Und 8. Lebensjahr des Kindes genommen werden. Mütter müssen ihre Elternzeit beim Arbeitgeber spätestens 7 Wochen vor dem Beginn der Elternzeit beantragen. Da sie nach der Geburt einen achtwöchigen Mutterschutz genießen und die Elternzeit erst im Anschluss daran beginnt, muss die Elternzeit also spätestens in der Woche nach der Geburt des Kindes beantragt werden. Möchte der Vater direkt ab der Geburt des Kindes in Elternzeit gehen, gelten für ihn ebenfalls 7 Wochen Frist. Entscheidend ist hierbei das errechnete Geburtsdatum des Kindes.

Der Antrag sollte enthalten:

  • Briefkopf mit Absender
  • Die exakten Daten für Beginn und Ende der Elternzeit
  • Auf Wunsch die Bitte nach Empfangsbestätigung

Festlegung auf Elternzeit ist verbindlich

Da Eltern einen Rechtsanspruch auf Elternzeit haben, können Arbeitgeber diese nicht ablehnen. Allerdings müssen sie nachträglichen Änderungen der Elternzeit für die ersten 2 Jahre nicht zustimmen. Wer also ein Jahr Elternzeit beantragt, in diesem Zeitraum aber entscheidet, lieber 2 Jahre zu Hause zu bleiben, ist auf den Kooperationswillen seines Arbeitgebers angewiesen. Soll nach dem zweiten Jahr auch das dritte Lebensjahr Elternzeit genommen werden, muss dies spätestens 13 Wochen vor dem Ablauf des zweiten Elternzeitjahres beantragt werden. Auch der Wunsch nach einer Teilzeitbeschäftigung von bis zu 30 Stunden pro Woche im zweiten Elternzeitjahr muss vorher mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Der Anspruch auf Elternzeit besteht für jedes Kind. Befinden sich Eltern noch in der Elternzeit von Kind 1, wenn Kind 2 geboren wird, kann die Elternzeit für Kind 1 unterbrochen und an die Elternzeit von Kind 2 angehängt werden. Während der gesamten Elternzeit besteht ein Kündigungsschutz. Ist die Elternzeit zu Ende, wird ihr Arbeitsverhältnis an der Stelle fortgesetzt, wo es beendet wurde. Umfang und Art der Arbeit bleiben also gleich. Allerdings besteht kein Rechtsanspruch auf den alten Arbeitsplatz. Dem Arbeitgeber steht es frei, einen Arbeitnehmer auf eine andere Position im Unternehmen zu versetzen, die der gleichen Vergütungs- und Qualifikationsstufe entspricht.

Seit wann gibt es die Elternzeit?

Die Elternzeit wird immer wieder aktuellen Bedürfnissen angepasst. Erst seit 1979 gibt es so etwas wie Elternzeit in Deutschland. Diese war zunächst auf Mütter beschränkt und bedeutete 6 Monate Kündigungsschutz bei Arbeitsplatzgarantie. Dieser Mutterschaftsurlaub erlaubte Frauen den einfachen Wiedereinstieg in das Berufsleben. Doch auch immer mehr Männer wünschten sich eine Möglichkeit, sich stärker ins Familienleben einzubringen. Als 1986 der Mutterschaftsurlaub vom Erziehungsurlaub abgelöst wurde, konnten erstmals auch Väter für 10 Monate im Beruf pausieren, um zu Hause beim Nachwuchs zu bleiben. Seit 1992 kann der Erziehungsurlaub für 3 Jahre in Anspruch genommen werden. Als finanzielle Entlastung gab es das einkommensunabhängige Erziehungsgeld in Höhe von 600 DM. Seit Ende der 80er werden 3 Monate Erziehungszeit von der Rentenversicherung anerkannt. Als Grundlage für die Rentenanwartschaft gilt in dieser Zeit das bundesdeutsche Durchschnittseinkommen. Mit der Umbenennung des Erziehungsurlaubs in Elternzeit im Jahr 2001 sollte die Qualität der elterlichen Leistung bei der Betreuung von Kleinkindern stärker betont werden. Damit erziehenden Eltern die Rückkehr ins Arbeitsleben erleichtert wird, wurde zunächst der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder von 3 bis 6 Jahren eingeführt, später auch der Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr. Seit 2007 erhalten Eltern ein einkommensabhängiges Elterngeld für 12 Monate, wenn nur ein Elternteil die Elternzeit in Anspruch nimmt. Beteiligt sich das zweite Elternteil mit mindestens 2 Monaten, wird der Gesamtanspruch auf 14 Monate erhöht. Wenig lukrativ ist dieses Modell für Eltern, die bereits früh wieder in den Beruf einsteigen wollen. Beim normalen Elterngeld wird Einkommen, das im ersten Lebensjahr des Kindes erzielt wird, voll auf das Elterngeld angerechnet. Wesentliche Verbesserungen bietet in diesem Fall das Elterngeld Plus, das für Kinder gilt, die nach dem 1. Juli 2015 geboren wurden. Es bietet Eltern die Möglichkeit, im Bezugszeitraum ohne Abzüge in Teilzeit zu arbeiten. So wird der Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert.

Die Entwicklung der Elternzeit in der BRD:

1952 Freistellung von Müttern sechs Wochen vor und nach der Geburt
1968 Ausweitung der Schutzfrist nach der Geburt auf acht Wochen
1979 Mutterschaftsurlaub sechs Monate nach der Geburt mit Kündigungsschutz
1986 Erziehungszeit von 10 Monaten erstmals auch für Väter vorgesehen
1992 Ausweitung des Erziehungsurlaubs auf bis zu drei Jahre
1992 Erziehungsgeld in Höhe von 600 DM
1998 Gemeinsames Sorgerecht für verheiratete Paare wird Standard
2001 Aus Erziehungsurlaub wird Elternzeit
2007 Einkommensabhängiges Elterngeld
2007 Elternzeit verlängert sich auf 14 Monate, wenn der Vater 2 Monate nimmt
2015 Elterngeld Plus verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf