Hebamme trägt ein Kleinkind in einem Geburtshaus (©123rf.com)

Hebamme trägt ein Kleinkind in einem Geburtshaus (©123rf.com)

Wer gerade erst mit der Familienplanung beginnt, weiß es vielleicht gar nicht: Kinder kann Frau nicht nur in einem Krankenhaus zur Welt bringen, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch in einem Geburtshaus. Hinzu kommt, dass Geburtshäuser auch abseits der eigentlichen Betreuung während einer Schwangerschaft, Geburt und der Nachsorge viel für werdende Eltern zu bieten haben: Kurse rund um das Thema Schwangerschaft, Kind und Elternschaft werden in vielen dieser Einrichtungen abgehalten. Wer in einem Geburtshaus arbeitet, wie die Betreuung hier in etwa aussehen könnte und welche Kurse Geburtshäuser mitunter anbieten, versucht dieser Artikel zu erläutern.

Neugeborenes Kind

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Wer betreut werdende Mütter in einem Geburtshaus?

In einem Geburtshaus arbeiten Hebammen. Diese Fachkräfte haben es in ihrer Ausbildung unter anderem erlernt, eine Schwangerschaft von Anfang bis Ende zu begleiten, bei normalen Geburten die Leitung Hebammen absolvieren in Deutschland eine dreijährige Berufsausbildung (Verkürzung auf zwei Jahre für Krankenschwestern ist möglich) und müssen ein staatliches Examen ablegen. Ein Geburtshaus ist eine Einrichtung, die in Hinblick auf ihre Größe nicht mit einem Krankenhaus zu vergleichen ist. Es ist in der Regel ein Zusammenschluss einiger weniger Hebammen. Daraus resultiert im Idealfall auch eine andere Atmosphäre als in einem Krankenhaus: Die Betreuung kann dort also viel persönlicher sein.

Ärzte arbeiten üblicherweise nicht in einem Geburtshaus. Sollten während oder nach einer Entbindung allerdings Probleme auftauchen, welche die Kompetenzen einer Hebamme überschreiten, muss selbstverständlich ein Arzt zurate gezogen werden – etwa, indem ein Transport der Schwangeren oder des Neugeborenen in das nächste Krankenhaus erfolgt. Mitunter kooperieren Geburtshäuser auch anderweitig mit Ärzten. Hebammen selbst können nicht alle Leistungen erbringen, die bei einer Geburt oder der Versorgung eines Neugeboren im Ernstfall gefragt oder angezeigt sein könnten – über diese Unterschiede sowie Grenzen und darüber, wann eine Verlegung vom Geburtshaus in ein Krankenhaus notwendig werden könnte, sollten sich werdende Eltern näher informieren.

Die Art der Betreuung in einem Geburtshaus

Die persönliche Betreuung in einem Geburtshaus ist der wichtigste Aspekt, mit dem diese Einrichtungen aufwarten können. Diese persönliche Betreuung spiegelt sich nicht nur darin wider, dass eine Schwangere in einem Geburtshaus bei der Entbindung oft von einer Hebamme betreut wird, ohne dass diese noch gleichzeitig für andere Frauen da sein muss. In einem Geburtshaus werden der Schwangeren häufig auch viele Möglichkeiten geboten, die Entbindung individuell zu gestalten: So kann die Schwangere zum Beispiel in der Regel relativ frei entscheiden, welche Gebärposition sie wählen möchte. Die persönliche Betreuung beginnt in einem Geburtshaus aber schon sehr weit vor der Entbindung: Individuelle Beratungsgespräche und die sonstige Betreuung vor der Geburt können helfen, eine enge Beziehung zu den Hebammen aufzubauen, sodass sich im Idealfall eine vertraute und angenehme Atmosphäre herstellen lässt, die auch bei der Entbindung selbst viel wert sein kann. Nach der Geburt begleiten die Hebammen die Mütter zu Nachsorgezwecken ebenfalls weiter.

Von der besonderen Art der Betreuung in einem Geburtshaus können ggf. auch solche Schwangeren profitieren, die sich doch für eine Entbindung in einem Krankenhaus entscheiden. So kommt in dieser Situation zum Beispiel ggf. eine Teilnahme an Kursen vor und nach der Geburt infrage. Schwangere, die sich lediglich für diesen Teilbereich der Betreuung interessieren, sollten im jeweiligen Geburtshaus aber nachfragen, ob die Wahrnehmung des Kursangebotes an die Wahl des Geburtsortes geknüpft ist oder nicht. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig zu wissen, dass nicht jede Schwangere in einem Geburtshaus entbinden kann. Liegen bestimmte Risikofaktoren oder Komplikationen vor, kann aus Sicherheitsgründen eine Entbindung in einem Krankenhaus notwendig sein. Über die Möglichkeiten einer Entbindung in einem Geburtshaus informieren die Einrichtungen werdende Eltern.

Kurse vor und nach der Geburt eines Kindes

Schwangere Frau mit Gymnastikball

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Ein Kind zu bekommen, bedeutet viel mehr, als nur die Entbindung zu absolvieren. Werdende Eltern benötigen während und nach der Schwangerschaft auch anderweitig Betreuung und Unterstützung. Genau diesem Umstand tragen Geburtshäuser Rechnung, indem sie oftmals ein breites Angebot an Kursen anbieten, die vor oder nach der Geburt besucht werden können. Ein Klassiker unter den Kursen, die vor der Geburt anstehen, ist der Geburtsvorbereitungskurs. Ein Geburtshaus kann aber auch viele weitere Kurse anbieten, die für Schwangere hilfreich sein könnten – etwa Kurse zu den Themen Yoga in der Schwangerschaft oder Stillvorbereitung. Zu den Kursen, die von einem Geburtshaus nach der Entbindung angeboten werden könnten, zählen zum Beispiel Kurse in Sachen Säuglingspflege, Stillberatung, Rückbildung, Eltern-Kind-Yoga oder Babymassage. Auch anderweitige Beratungen und auch Vorträge können von einem Geburtshaus organisiert werden – etwa zu den Themen Kinderernährung, Erste Hilfe für Kinder oder Umgang mit dem Tragetuch. Mitunter darf auch Unterhaltsames für Babys, Kleinkinder und Eltern nicht fehlen – so etwa Kinderturnkurse, Kurse, in denen Eltern lernen, für ihr Kind zu singen und so Geborgenheit in der Eltern-Kind-Beziehung herzustellen, oder auch Treffen mit anderen Müttern, die den Erfahrungsaustausch befördern sollen. Vieles weitere ist denkbar und das Angebot unterscheidet sich natürlich von Geburtshaus zu Geburtshaus. Werdende Eltern sind also gut beraten, sich in das jeweilige Kursangebot der Einrichtung einzulesen, die für sie infrage kommen könnte.

Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt?

Ob die Geburt des eigenen Kindes in einem Krankenhaus, in einem Geburtshaus oder gar zu Hause in den eigenen vier Wänden unter Begleitung einer Hebamme stattfinden soll, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Es erscheint wichtig, dass werdende Eltern und auch schon Paare, die überhaupt mit dem Gedanken spielen, ein Kind zu bekommen, alle Optionen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen kennenlernen. Nur auf dieser Basis lässt sich dann eine eigene, abgewogene Entscheidung treffen. Das Informationsangebot von Hebammen, Geburtshäusern und Krankenhäusern ist groß: Alle werdenden Eltern sollten es nutzen, um mehr über die unterschiedlichen Optionen zu erfahren! So lassen sich auch Vergleiche ziehen.