Die Frage nach einem sicheren Kindersitz stellt sich zum ersten Mal, wenn es um den Transport von Mutter und Kind vom Krankenhaus nach Hause geht. Eine rückwärts gerichtete Babyschale ist in den ersten Monaten Pflicht, um den Nachwuchs sicher zu transportieren. Doch auch nach der Babyschale empfehlen Experten Reboarder. Tests zeigen, dass rückwärts gerichtete Kindersitze auch jenseits der 9-Kilo-Marke des Kindes noch die sicherste Transport-Variante sind.

Kleiner Junge am Lenkrad

So fährt Ihr Kind sicher mit – ein Kindersitz im Auto ist Pflicht (Foto: © sges / Dollar Photo Club)

Kindersitzpflicht bis zum Teenager-Alter

Seit 1993 herrscht die Kindersitzpflicht in Deutschland. Seitdem dürfen Kinder bis zu einer Größe von 150 cm oder 12 Jahren ausschließlich mit geeigneten Schutz- und Rückhaltevorrichtungen transportiert werden. Für Kinder bis 9 Kilogramm gilt laut Kindersitz-Gesetz zudem, dass sie ausschließlich rückwärtsgerichtet fahren dürfen. Babyschalen werden dem gerecht und sind in Deutschland selbstverständlich. Doch viele Eltern wollen ihr Kind so schnell wie möglich in Fahrtrichtung transportieren und steigen daher mit Erreichen der 9-Kilo-Marke auf einen vorwärts gerichteten Kindersitz im Auto um. Die meisten Kinder sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ein Jahr alt. Für viele Kinder wird die Babyschale zudem schnell zu klein, auch hier erfolgt früh ein Umstieg auf die nächste Kindersitzklasse.

Reboarder berücksichtigen die Anatomie von Babys und Kleinkindern

Der Fachhandel rät meist zu vorwärts gerichteten Systemen, obwohl diese nachweislich unsicherer sind als Reboarder, in denen Kleinkinder bis etwa vier Jahre entgegen der Fahrtrichtung fahren können. Bei Babys und Kleinkindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper noch viel zu groß. Er macht etwa 25 Prozent des Körpergewichts aus, deutlich mehr als bei einem Erwachsenen. Zudem ist die Schulter- und Nackenmuskulatur noch nicht voll entwickelt, sodass diese doppelt belastet wird. Bei einem Unfall wirken enorme Kräfte auf den kleinen Körper eines Babys. Ein Crash mit 50 km/h entspricht in seiner Wucht etwa einem Sturz aus dem dritten Stock. Beim Aufprall wird der kleine Körper nach vorne geworfen und durch den Rückprall wieder in den Sitz gedrückt. Wirbelsäulenverletzungen bis hin zu Genick- und Schädelbrüchen können die Folge sein. Auch der Seitenaufprallschutz ist nicht optimal, wenn ein Kind vorwärts fährt. Bei Unfällen mit seitlichem Aufprall gibt es in der Regel zunächst einen Vorwärts-Schub. Wenn der seitliche Aufprall erfolgt, befindet sich das Kind außerhalb der Schutzzone des Kindersitzes. Reboarder-Tests zeigen, dass dies beim rückwärts gerichteten Fahren genau andersherum ist. Beim Frontalaufprall wird das Kind tief in den Sitz gedrückt. Kommen seitliche Kräfte hinzu, befindet sich das Kind tief in der Schutzzone seines Sitzes.

Baby in einem Kindersitz

Reboarder im Test zeigen: Rückwärts fahren ist sicherer (Foto: © detailblick-foto / Dollar Photo Club)

i-Size-Regelung soll das Autofahren sicherer machen

In Schweden sind Reboarder schon länger auch für Kinder jenseits der 9 Kilo Pflicht. Die Statistik gibt den Schweden Recht: In den letzten 10 Jahren ist kein Kind mehr bei einem Autounfall gestorben, das in einem Reboarder transportiert wurde. Auch in Deutschland findet seit einigen Jahren ein Umdenken statt. Seit 2013 ist die erste Stufe einer neuen Norm für Kindersitze in Kraft. Die sogenannte i-Size-Regelung umfasst vor allem fünf wesentliche Komponenten:

  • Die Nutzung von Isofix-Systemen soll gefördert werden, weil damit Einbau-Fehler vermieden werden.
    Reboarder sollen bis 15 Monate Pflicht werden.
  • Spezielle Seitenaufpralltests sollen die Sicherheit von Kindersitzen genauer prüfen.
  • Sitze sollen nicht mehr nur nach Gewicht, sondern auch nach Körpergröße ausgewählt werden, wodurch die Wahl des passenden Sitzes erleichtert wird.
  • Alle i-Size-fähigen Fahrzeuge sollen mit i-Size-Kindersitzen kompatibel sein.

Einen genauen Zeitplan für die Einführung der Änderungen gibt es jedoch noch nicht. Alte Kindersitze, die der Norm ECE R44 entsprechen, werden weiterhin zugelassen, sodass Eltern, die bereits einen Kindersitz gekauft haben, diesen weiter nutzen können.

Reboarder-Tests bewerten nicht nur die Sicherheit

Oft schneiden Reboarder in Tests weniger gut ab, als man dies annehmen würde. Die Ursache hierfür liegt vor allem darin, dass Reboarder unhandlicher sind als vorwärts gerichtete Kindersitze und schwieriger einzubauen. Da die Handhabung zu 50 Prozent in die Bewertung der Stiftung Warentest einfließt, führt dies zu schlechten Bewertungen, die die deutlich höhere Sicherheit außer Acht lassen. Neben der unhandlichen Bedienung sind Reboarder meist auch deutlich teurer als herkömmliche Kindersitze, was unter anderem an der geringen Nachfrage liegt.

Einfacher und sicherer Einbau dank Isofix

Viele Eltern sind unsicher, ob sie einen Kindersitz ordnungsgemäß einbauen können, und haben Sorge, die Sicherheit ihres Kindes durch den unsachgemäßen Einbau zu gefährden. Die Statistik zeigt, dass die meisten Verletzungen bei Unfällen mit Kindersitz aus einer fehlerhaften Befestigung resultieren. Isofix bietet hier Abhilfe. Dabei handelt es sich um ein fest im Auto verbautes System, in das der Kindersitz eingeklickt wird. Hierdurch sind Einbaufehler nahezu unmöglich und der Kindersitz ist durch die starre Verankerung mit der Karosserie besonders sicher. Handelt es sich beim Isofix-System um eine Universalzulassung, muss der Sitz mit einer zusätzlichen Haltevorrichtung arretiert werden. Diese ist entweder ein oberer oder unterer Haltegurt, alternativ ein Stützfuß. Vor allem bei Reboardern kommen solche Stützfüße zum Einsatz. Hierbei ist zu prüfen, ob sich Stauräume im Bodenbereich unter dem Sitz befinden. Ist dies der Fall, bieten einige Autohersteller spezielle Füllungen für den Stauraum, um diesen sicher zu machen. Manche Hersteller schließen jedoch den Einsatz eines Stützfußes auf einem Stauraum aus.

Reboarder unterscheiden nach Gewicht und Größe des Kindes

Vorwärts gerichtete Kindersitze werden nach Gewichtsklassen unterteilt. Bei Reboardern wird auch die Körpergröße hinzugezogen, um den idealen Sitz zu finden. Dabei spielt auch die Maximallast des Isofix-Systems eine Rolle. Diese liegt laut Norm bei 33 Kilo für Sitze mit eigenem Gurtsystem. Entscheidend ist hier das gemeinsame Gewicht von Kind und Kindersitz. Wiegt also der Kindersitz 12 Kilo, darf ein Kind bis 21 Kilo auf einem Sitz mit Isofix-Befestigung transportiert werden. Auch Sitze nach der i-Size-Regelung haben daher Gewichtsobergrenzen, auch wenn diese theoretisch nicht relevant sind. Können Sitze entweder per Isofix oder über den Autogurt befestigt werden, können sie auch eine höhere Gewichtszulassung haben.

Junge mit Kindersitz im Auto

Ein Kindersitz in Fahrtrichtung ist erst ab etwa 4 Jahren empfehlenswert (Foto: © photophonie / Dollar Photo Club)

Auto und Kindersitz müssen zueinander passen

Um den richtigen Reboarder zu finden, empfiehlt sich ein Ausflug zum Fachhändler. Im Idealfall können dort die Sitze im eigenen Auto getestet werden, um zu überprüfen, ob das Wunschmodel auch wirklich auf die Rückbank passt. Da Reboarder oft größer sind als andere Kindersitze, kann dies nämlich bei kleinen Autos problematisch werden. Vor allem wenn die Isofix-Basis sich nur an den äußeren Sitzen befindet, kann dies für den Beifahrer eng werden. Daher muss vorher unbedingt überprüft werden, wie gut Sitz und Auto zusammenpassen. Gleiches gilt natürlich auch für das Kind und den Kindersitz. Im Auto verbringen manche Kinder viel Zeit, ideal ist also ein Sitz, der nicht nur sicher, sondern auch bequem ist. Ein Reboarder-Test vor Ort ist also die beste Möglichkeit, den optimalen Sitz zu ermitteln. Weiterer Vorteil: Der Verkäufer kann beim Einbau helfen, wodurch Fehler bei der Befestigung vermieden werden.

Hohe Sitze bieten viel Überblick

Viele Eltern meinen, dass ihre Kinder sich in einem sicheren Reboarder nicht wohlfühlen würden. In Babyschalen werden ältere Kinder oft unruhig, weil sie nicht genug sehen können. Dies ist bei Reboardern meist nicht der Fall. Durch den hohen Aufbau der Sitze können Kinder bequem über die Rückbank oder aus dem Fenster schauen, wo sie genug von der Welt außerhalb des Autos sehen können. Um den Eltern das Rückwärtsfahren ihres Kindes zu erleichtern, helfen Spiegel, die an der Rückbank befestigt werden. Mit deren Hilfe können Eltern ihre Kinder auch während der Fahrt beobachten.

Beliebte Modelle bei Reboardern

Die sicheren Kindersitze gibt es von verschiedenen Herstellern. Beliebt und sicher ist der Cybex Sirona. Besonders komfortabel in der Handhabung ist dieser Sitz für Kinder bis 18 Kilo, weil er sich zum Ein- und Aussteigen Richtung Tür drehen lässt. Gleiches bietet der Britax Römer Dualfix, der sich um 360 Grad drehen lässt. Ein Überrollbügel verhindert, dass der Sitz in Richtung Lehne kippt. Maxi Cosi bietet mit dem 2wayPearl ebenfalls einen Sitz, der sich gegen die Fahrtrichtung montieren lässt. Praktisch hierbei: Die Isofix-Basis der Babyschale kann weiterhin genutzt werden. Dies spart Kosten bei der Anschaffung des Folgesitzes. Die meisten Reboarder können auch vorwärtsgerichtet eingebaut werden, auch wenn sich dadurch die Sicherheit deutlich reduziert. Ein reiner Reboarder ist der BeSafe iZi Kid X3, der ebenfalls einen Überrollbügel hat. Die Sitzneigung lässt sich einfach verstellen und durch den hohen Sockel hat das transportierte Kind einen guten Überblick. Obwohl dieser Sitz ab Geburt zugelassen ist, eignet er sich aufgrund des Neigungswinkels erst für Kinder, die bereits sitzen können.