Tafel mit Babynamen

Modern oder ausgefallen? Eine schwerwiegende Entscheidung © BartPhoto / Dollar Photo Club

Mit der Wahl des Babynamens treffen Eltern eine Entscheidung, mit der ihr Kind sein Leben lang auskommen muss. Die Kriterien bei der Wahl des richtigen Vornamens haben sich dabei in den letzten 50 Jahren gewandelt und auch die beliebtesten Vornamen sind heute andere als damals. Bei uns bekommen Sie einen Überblick über beliebte Vornamen im Wandel der Zeit.

Wenn der Name Programm ist

Bei der Wahl des Vornamens haben die meisten Eltern Hintergedanken. Sie selbst assoziieren mit dem von ihnen ausgewählten Namen bestimmte Eigenschaften, die sie sich für ihr Kind wünschen. Während man bei einem Benjamin von einem wohlerzogenen, zurückhaltenden Jungen ausgeht, sieht man eine Ronja eher mit wilder Mähne den Spielplatz unsicher machen.

Wichtig ist, sich nicht zu sehr von seinem Wunschdenken leiten zu lassen, um es den Kindern im späteren Leben nicht unnötig schwer zu machen. Wer seine Tochter Laetitia nennt und dabei an ein attraktives Model denkt, aber statt einer langbeinigen Schönheit ein kleines pummeliges Mädchen bekommt, tut seinem Kind keinen Gefallen. Gleiches gilt für den kleinen Jogi, der statt Sport eher Schach im Sinn hat und an der frischen Luft zu Atemnot neigt. Ein Babyname sollte also nicht allzu viele Assoziationen wecken.

Dem Kevinismus entkommen: Die Erwartungen anderer an Kindernamen

Doch auch die Erwartungen anderer an bestimmte Vornamen sollten bei der Wahl eines schönen Babynamens berücksichtigt werden. Dies gilt vor allem für moderne Vornamen, die in einigen Jahren vielleicht nicht mehr so modern sein werden wie heute. Amerikanische Babynamen wie Kevin, Justin oder Shanaya oder französische wie Jacqueline und Chantal werden laut einer Studie von vielen Menschen bildungsfernen Schichten zugeordnet. Entsprechend werden diese Kinder beispielsweise in der Schule anders behandelt als Kinder, deren Namen man mit einer höheren Intelligenz assoziiert. Denn wenn einem Kind eine höhere Intelligenz und Lernbereitschaft zugesprochen wird, wird man es eher entsprechend fördern als ein Kind, dem man ohnehin wenig zutraut. Klassische Mädchennamen wie Sophie oder Anna sowie Jungennamen wie Maximilian oder Lukas sind im Gegensatz zu ausländischen Modenamen mit positiven Gedanken verknüpft.

A wie Anton, S wie Südpol – kompliziert oder einfach?

Zettel mit Babynamen auf dem Bauch einer Schwangeren

Die Wahl des richtigen Babynamens fällt meist nicht leicht © DoraZett / Dollar Photo Club

Weiteres Problem bei ausgefallenen Mädchennamen wie Ayleen oder Hailey oder modernen Jungennamen wie Jayden oder Finley ist, dass es keine einheitliche Schreibweise gibt und solche Kinder ihr Leben lang ihren Namen buchstabieren müssen. Ist zudem die Aussprache unklar, werden diese Kinder zudem in Kindergarten und Schule immer wieder auf andere Kinder treffen, die ihren Namen unbewusst oder absichtlich abwandeln und anders aussprechen. Das Problem des ständigen Buchstabierens kann jedoch auch Kinder mit althergebrachten Vornamen treffen. Auch bei Namen wie Philipp oder Annabelle gibt es verschiedene Varianten, die oft eine Nachfrage bezüglich der korrekten Schreibweise mit sich bringen. Natürlich ist das Buchstabieren etwas, was man in Kauf nehmen kann bei der Wahl des passenden Vornamens. Dennoch sollte es zumindest bedacht werden.

Die einfache Lösung: Namen der Vorfahren weitergeben

Früher war es üblich, sein Kind nach den Eltern oder Großeltern zu benennen. So entfiel die Suche nach einem passenden Vornamen und gleichzeitig wurden mit der Benennung des Kindes familiäre Zugehörigkeiten ausgedrückt. In anderen Kulturkreisen war dies noch verbreiteter als in Deutschland. Vor allem nordische Vornamen machen oft auf den ersten Blick klar, wer die Eltern sind. So heißt der Sohn eines Björn Jónssons auf Island traditionell zum Beispiel Einar Björnsson. Seine Tochter könnte Sigúr Björnsdottir heißen. Alternativ kann die Tochter auch den Namen der Mutter annehmen, dann hieße sie Sigúr Gudrunsdottir. In Deutschland ist dies heute nicht mehr so verbreitet. Namen werden vor allem nach dem Klang ausgesucht. Trotzdem bekommen viele Kinder als Zweit- oder Drittnamen den Namen eines Eltern- oder Großelternteils. Auch die Kennzeichnung einer Religionszugehörigkeit über den Vornamen war früher verbreiteter als heute. So waren beispielsweise jüdische Kinder oft schon an Namen wie Rachel oder Samuel zu erkennen. Heute sind Namen wie Noah oder Elias hingegen modern und werden unabhängig von der Religion des Kindes vergeben.

Die beliebtesten Namen seit den 1960ern

Dass die Zeiten sich ändern, erkennt man an den Namen, die in den letzten 50 Jahren die Namens-Bestseller-Listen angeführt haben. In den 60er-Jahren waren Thomas und Sabine die beliebtesten Namen, dicht gefolgt von Stefan und Claudia. In den 70ern begann der Vormarsch der Namen Michael und Christian, auch Nicole, Sandra und Stefanie erfreuten sich großer Beliebtheit. Christian war auch in den 80er-Jahren ein beliebter Name für Jungen. In sieben von zehn Jahren dieses Jahrzehnts führte Christian die Statistik an. Geschlagen werden konnte Christian nur von Sebastian und zum Ende der 80er von Jan, dessen Erfolgsgeschichte 1988 begann. Beliebte Mädchennamen waren Julia, Stefanie und Katharina. Mit acht von zehn Jahren Platz 1 in den 1990ern konnte der kurze Vorname Jan sogar den Christian der 80er Jahre schlagen. Beliebte Mädchennamen waren Lisa, Julia, Laura, Anna und Sarah. 1991 konnte erstmals der moderne Jungenname Kevin den Sieg für sich verbuchen. Das neue Jahrtausend begann wechselhaft, was die beliebten Jungennamen angeht. Lukas, Niklas, Jan und Leon schaffen es in diesem Jahrzehnt auf Platz 1, bei den Mädchen dominieren Anna, Marie, Hannah, Leonie und Mia. Der Trend hin zu kurzen Vornamen hält immer noch an. In den letzten Jahren standen Leon, Luka, Ben, Mia und Emma ganz oben in der Beliebtheitsskala.

Der Ton macht die Musik oder der Klang entscheidet

Würfelbecher mit Buchstaben

Schöne Babynamen gefallen auch nach Jahren noch © ugrum / Dollar Photo Club

Jedes Elternpaar muss für sich selbst entscheiden, welchen Namen das Kind tragen soll. Seltene Vornamen können genauso zu einem Kind passen wie der Name, der die aktuelle Beliebtheitsliste anführt. Bedenken muss man allerdings, dass ein schöner Kindername einem auch nach Jahren noch gefallen sollte. Hilfreich ist es, sich den gewünschten Babynamen inklusive eventuellem Zweitnamen und Nachnamen immer mal wieder laut aufzusagen. Denn ein schöner Klang ist für viele Eltern ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des passenden Namens. Viele Eltern entscheiden sich bei einem langen Nachnamen für einen kurzen Vornamen und umgekehrt. Auch gleiche Anfangs- oder Endbuchstaben sind für den Klang schön. Die Bedeutung eines Namens sollte bei der Entscheidung auch nicht außer Acht gelassen werden. Manche Namen klingen zwar schön, haben aber keine schöne Bedeutung.

Für Unentschlossene: Der Name muss erst einen Monat nach der Geburt feststehen

Wer völlig ideenlos ist, kann einen Vornamen-Generator zu Rate ziehen und sich von diesem inspirieren lassen. Oft kann es auch helfen, gezielt nach Namenslisten zu suchen, die bestimmten Kriterien entsprechen. Wer skandinavische Vornamen mag, braucht sich nicht mit einer Liste deutscher Babynamen auseinanderzusetzen und umgekehrt. Vorsicht ist geboten bei besonders ausgefallenen Namen: Deutsche Standesämter erlauben nicht jeden Namen. Wer also einen seltenen Babynamen sucht und dabei zu ausgefallene Ideen hat, muss mit einem Veto vom Standesbeamten rechnen. Immerhin haben Eltern in jedem Fall noch ein wenig Bedenkzeit. Erst einen Monat nach der Geburt muss der Name endgültig feststehen – dann können auch die Geburtsanzeigen in ihre Umschläge gesteckt werden.