Bei den Vorbereitungen auf die Ankunft des Nachwuchses stehen viele Eltern vor der Frage: Tragen oder schieben? Das Tragen ist seit Jahrhunderten verbreitet und erlebt zurzeit eine Renaissance, während Kinderwagen aus dem Alltag schon lange nicht mehr wegzudenken sind. Doch was ist besser für Mutter, Vater und Kind? Welche Babytrage ist die beste? Wir haben für Sie eine Übersicht über die Vor- und Nachteile beider Varianten zusammengestellt.

Baby in einem Tragetuch

Welche Babytrage ist die richtige? (Foto: © ferkelraggae / Dollar Photo Club)

Menschen sind biologisch Traglinge

Sowohl das Tragen des Kindes als auch der Transport im Kinderwagen haben verschiedene Vorteile, aber auch Nachteile. Betrachtet man die Evolution des Menschen und seine physischen Voraussetzungen, sind Babys eigentlich Traglinge. Sie verfügen über Klammer- und Greifreflexe, wie sie auch bei Affenbabys zu finden sind. Zudem nehmen sie beim Hochheben aus der Rückenlage eine typische Anhock-Spreizstellung der Beine ein, die beim Tragen von Vorteil ist, weil sie einen engeren Kontakt zwischen Tragendem und Getragenem zulässt. Obwohl Babys nicht in der Lage sind, sich eigenständig an ihrer Mutter festzuhalten, gelten sie unter Biologen als aktive Traglinge. Tragen und getragen werden liegt also in der menschlichen Natur. Bis zum 19. Jahrhundert war das Tragen auch bei uns noch gang und gäbe. Erst später wurden Tragetücher nach und nach vom Kinderwagen verdrängt. In den letzten Jahren jedoch erlebt das Tragen einen neuen Aufwind und wird in allen Bevölkerungsschichten immer mehr akzeptiert.

Vor- und Nachteile von Kinderwagen

Kinderwagen gibt es heute in vielen verschiedenen Ausführungen. Sie alle sollen den sicheren Transport des Babys gewährleisten. Kauft man einen Kombiwagen, kann man diesen nicht nur im Babyalter nutzen, sondern durch seine Umbaumöglichkeiten bis ins Kleinkindalter. Im Kinderwagen kann das Kind problemlos während der Fahrt einschlafen und bequem bleiben, bis es wieder aufwacht. In größeren Menschenmengen ist der Kinderwagen zwar sperriger, dafür ist das Baby besser gegen Stöße geschützt. Vor allem Kinder mit einem hohen Bewegungsdrang liegen gern im Kinderwagen, weil sie sich dort gut und frei bewegen können. Der Kinderwagen kann außerdem auf ausgedehnten Spaziergängen problemlos genutzt werden, ohne dass er eine körperliche Belastung darstellt. Auch als Einkaufshilfe ist ein Kinderwagen nicht zu unterschätzen: Mit Gepäcknetz und Einkaufskorb ist viel Platz für den Einkauf, ohne dass viel getragen werden muss. Wie Sie sich für den besten Kinderwagen entscheiden und worauf Sie beim Kauf achten müssen, erfahren Sie hier: http://www.babykarten-paradies.de/magazin/den-passenden-kinderwagen-finden.

Vorteile des Tragens für das Kind

Bei der Frage, welche Babytrage am besten ist, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Doch zunächst müssen sich Eltern überlegen, ob sie überhaupt tragen wollen. Für das Baby bietet das Tragen einige Vorteile, doch auch Mutter und Vater profitieren davon. Ein Neugeborenes hat in den neun Monaten im Mutterleib eine enge Bindung zu seiner Mutter aufgebaut. Bei der Geburt verlässt es die Geborgenheit seiner Mutter und deren körperlichen Schutz. Die meisten Babys lassen sich gern tragen, weil ihnen die enge körperliche Nähe zu Mutter oder Vater Sicherheit bietet, außerdem sind sie zufriedener. Dies bestätigen Studien, nach denen getragene Kinder weniger häufig weinen als ungetragene. Bei Verdauungsproblemen, unter denen viele Babys vor allem in den ersten Wochen leiden, sind Bewegung und Wärme hilfreich, um diese zu lindern. Das Tragen verbessert die Darmtätigkeit und hilft, Bauchschmerzen zu vertreiben. In einem Tragetuch kann das Baby seine Körpertemperatur gut regulieren. Das hilft auch bei Fieber oder im Sommer, wenn es sehr warm ist.

Vor- und Nachteile des Tragens für die Eltern

Für die Eltern hat das Tragen vor allem den Vorteil, dass sie die Hände frei haben. Müssen sie keinen Kinderwagen schieben, können sie sich mit einem Geschwisterkind beschäftigen, Fenster putzen oder andere Tätigkeiten erledigen. Die Freiheit der Hände verbessert sich noch einmal, wenn Kinder auf dem Rücken getragen werden. Generell ist die Mobilität mit einem Tragetuch besser im Vergleich zu einem Kinderwagen. Enge Gehwege, Busse und Bahnen – mit Kind vor dem Bauch oder auf dem Rücken kommt man besser durch das Gedränge. Dafür ist das Kind im Kinderwagen oft besser geschützt, vor allem im Vergleich zum Tragen auf dem Rücken. Die Rumpfmuskulatur der Eltern wird durch das Tragen gestärkt und die gute Haltung gefördert. Auch Schwangerschaftskilos können schneller verschwinden, wenn das Kind regelmäßig getragen wird.

Vater mit Kind in Tragetuch

Vor- und Nachteile von Tragetüchern (Foto: © easycare / Fotolia)

Weniger geeignet kann das Tragen für Eltern sein, die unter Rückenproblemen leiden. Ob Tragen für sie geeignet ist, sollte mit einem Arzt und einer Trageberaterin abgesprochen werden. Nachteilig ist, dass das Gewicht des Kindes stetig zunimmt und damit das Tragen immer schwerer wird. Auf der anderen Seite ist durch permanentes Training die Gewichtssteigerung nicht so gravierend zu spüren. Wie kompliziert die Handhabung eines Tragetuchs oder eine Tragehilfe ist, entscheidet sich danach, welche Babytrage gewählt wird. Vor allem die Wickeltechniken des Tragetuchs können vor allem am Anfang sehr verwirrend sein.

Welche Babytrage ist die beste?

Verschiedene Tragehilfen haben sich auf dem Markt bewährt. Welche Babytrage die beste ist, entscheiden nicht nur elterliche Vorlieben. Vor allem müssen die Tragehilfen die Anhock-Spreizhaltung unterstützen, weil sich nur so die Hüften optimal entwickeln können und Hüftdysplasie vorgebeugt wird. Getragen werden kann vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte. Das Tragen vor dem Bauch bietet sich vor allem für die ersten Monate an, wenn das Baby noch nicht so schwer ist. Später ist das Tragen auf dem Rücken schonender für den Körper, zudem fällt es den meisten Eltern leichter, den Blickkontakt zum Kind aufzugeben, wenn dieses schon etwas älter ist. Auf der Hüfte können Babys in jedem Alter getragen werden, allerdings belastet diese Position nur eine Schulter und kann daher zu Problemen führen.
Neben Tragetüchern gibt es verschiedene Tragehilfen, die sich in Aufbau und Komfort unterscheiden. Es gibt Tragehilfen, die komplett gebunden werden, Halfbuckle-Tragen, bei denen meist der Hüftgurt mit einer Schnalle geschlossen wird, oder Fullbuckle-Tragen, die sowohl an den Hüft- als auch Schultergurten Schnallen haben. Auch beim Material gibt es Unterschiede. Am besten geeignet sind Tragen aus Tragetuchstoff, da dieser atmungsaktiv ist und damit ein optimales Klima erlaubt. Komplett gebundene Tragen passen sich Eltern und Kind am besten an. Der Rücken des Kindes muss rund sein und die Beine müssen mindestens einen 90-Grad-Winkel zur Hüfte aufweisen, wobei die Trage die Oberschenkel bis zu den Knien aufnehmen sollte. Damit Tragen ab dem Säuglingsalter geeignet sind, muss der Steg zwischen den Beinen verstellbar sein. Dies ist beispielsweise bei der Manduca nicht gegeben. Auch das Tragen in Kombination mit dem Neugeboreneneinsatz dieses Modells ist nicht ideal.

Gesundes Tragen von Anfang an

Besser geeignet sind Tragen, die sich an traditionellen Mei-Tais orientieren. Ein meist rechteckiges Tuchstück nimmt das Kind auf, an den Hüften und über die Schultern des Tragenden verlaufen Träger, die die Babytrage stabilisieren und das Kind sichern. Vor allem sollte darauf geachtet werden, dass die Tragen über verstellbare Stege verfügen und dadurch Rücken und Hüfte optimal unterstützen. Die beliebte Manduca-Trage eignet sich ab etwa 6 Monaten und ist vor allem für größere Babys gut und praktisch nutzbar. Viele Eltern nutzen in den ersten Monaten ein Tragetuch und steigen erst danach auf eine Babytrage um oder kombinieren von Anfang an beides. Ungeeignet sind Tragen, die bei der Hüft- und Rückenposition der menschlichen Physiologie widersprechen. Obgleich theoretisch mit allen Tragehilfen das Kind auch nach vorne gerichtet getragen werden kann, ist dies als Trageposition nicht geeignet. Der Rücken wird in eine Rundung in die falsche Richtung gedrückt und auch die Hüfte befindet sich in einer Position, die sowohl ungesund als auch unbequem ist. Um herauszufinden, welche Babytragen es gibt, welche am besten zu Ihnen passt und wie Tragetücher und Tragen genutzt werden können, empfiehlt sich eine Trageberatung von einer ausgebildeten Trageberaterin. Oft helfen bei den ersten Wickelschritten mit dem Tragetuch auch Hebammen weiter.

Richtig ist, was für Eltern und Baby am besten passt

Kinderwagen oder Tragen, beide Methoden haben Vor- und Nachteile. In der Praxis bewährt sich oft eine Kombination aus beiden Varianten. So besitzen viele Eltern sowohl einen Kinderwagen als auch ein Tragetuch oder eine Tragehilfe. Unabhängig davon, welche Babytrage oder welcher Kinderwagen gewählt wird, muss berücksichtigt werden, wie es dem Kind damit geht. Manch ein Kind fühlt sich im Kinderwagen permanent unwohl, ein anderes im Tragetuch zu eingeengt. Nur wenn alle Beteiligten sich mit der Wahl des Transportmittels wohl fühlen, werden Spaziergänge, Ausflüge oder Einkäufe ein entspanntes Erlebnis.